14. OKTOBER 2026 · 5 Min. Lesezeit
Dein Handy liegt nachts neben dir? Was in dieser Zeit mit deinem Gehirn und deinen Augen passiert

Wo liegt dein Handy, während du schläfst? Bei vielen direkt neben dem Kopfkissen: als Wecker, als Schlaftracker oder einfach aus Gewohnheit. Genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen.
Denn nachts passiert in deinem Körper etwas Entscheidendes. Im Schlaf entgiftet sich dein Gehirn und transportiert die Stoffwechselreste des Tages ab. Und dabei gibt es einen Punkt, den kaum jemand kennt: Deine Netzhaut ist entwicklungsgeschichtlich ein Teil deines Gehirns. Dein Auge ist also ein Stück Gehirn. Was nachts in deinem Gehirn passiert, betrifft damit auch deine Augen.
Dein Gehirn räumt nachts auf
Im Tiefschlaf läuft im Gehirn eine Art Nachtschicht der Müllabfuhr. Ein Forschungsteam um die Neurowissenschaftlerin Maiken Nedergaard zeigte 2013, dass sich im Schlaf die Zwischenräume zwischen den Hirnzellen deutlich weiten und Stoffwechselabfälle dadurch schneller abtransportiert werden (Xie et al., 2013).
Und die Augen sind Teil dieser Geschichte. Die Netzhaut gilt in der Forschung als „Fenster zum Gehirn“ (London et al., 2013). Inzwischen beschreiben Forschende sogar ein eigenes Abflusssystem entlang des Sehnervs, das sogenannte okuläre glymphatische System, über das Flüssigkeit zwischen Gehirn und Auge transportiert wird (Delle et al., 2024). Eine ruhige, ungestörte Nacht ist für deine Augen also viel mehr als bloße Erholung.
Elektrosmog im Schlafzimmer
Für mich ist Elektrosmog eine der am schnellsten wachsenden Umweltbelastungen, gerade für Kopf und Augen. Liegst du nachts in einem Elektrosmogfeld, kann sich dein Gehirn nicht ausreichend entgiften. Und damit auch das Stück Gehirn, mit dem du siehst.
Du musst dafür nicht in Panik verfallen, aber du darfst dein Schlafzimmer bewusst gestalten. Das sehen auch offizielle Stellen so: Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Vorsorgemaßnahmen wie Abstand zum Gerät, Flugmodus und zeitgesteuerte Router. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC hat hochfrequente elektromagnetische Felder 2011 als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft (Baan et al., 2011). Und eine schwedische Schlaflaborstudie fand nach abendlicher Handystrahlung Veränderungen in der Schlafspindel-Aktivität im EEG (Lowden et al., 2019).
Sleepmaxxing: Perfektes Abendritual, aber das Handy liegt daneben
Unter dem Begriff Sleepmaxxing optimieren gerade unzählige Menschen ihren Schlaf, mit Schlaftrackern, Magnesium und Schlafmasken. Ich finde es großartig, dass Schlaf endlich so ernst genommen wird. Nur liegt beim perfekten Abendritual oft genau das Handy neben dem Kopf, und die Uhr am Handgelenk funkt die ganze Nacht.
Auch die Forschung zum Handy im Bett ist deutlich: In einer Befragung von 844 Erwachsenen hing die Handynutzung im Bett mit längerem Einschlafen, schlechterer Schlafqualität und mehr Müdigkeit am Tag zusammen (Exelmans & Van den Bulck, 2016). Und Licht am Abend zählt ebenfalls: Schon normales Raumlicht vor dem Schlafengehen unterdrückt die Melatoninausschüttung (Gooley et al., 2011), und wer abends auf einem leuchtenden Bildschirm liest, schläft später ein und ist am nächsten Morgen weniger wach (Chang et al., 2015).
Dein Schlafzimmer-Check für heute Abend
- Wo liegt dein Handy? Am besten schläft es in einem anderen Raum. Wenn es als Wecker bleiben muss, dann im Flugmodus und mit etwas Abstand zum Bett.
- Läuft dein WLAN die ganze Nacht? Viele Router lassen sich mit einer Zeitschaltung nachts automatisch ausschalten. Einmal eingerichtet, musst du nie wieder daran denken.
- Funkt dein Schlaftracker? Schau nach, ob dein Gerät auch im Flugmodus aufzeichnet und erst morgens synchronisiert. Bei vielen geht das.
- Wann legst du den Bildschirm weg? Eine Stunde vor dem Schlafen ist ein schönes Ziel, damit auch deine Augen zur Ruhe kommen.
- Wie hell ist dein Abend? Warmes, gedimmtes Licht hilft deinem Körper, in den Nachtmodus zu wechseln.
Bei mir kommt das Licht am Abend vom Chroma Light von NeoWake: ohne WLAN, Funk oder App, flimmerfrei und mit einem Nachtmodus aus reinem Rotlicht ohne Blauanteil. So kommt zumindest keine zusätzliche Funkquelle ins Schlafzimmer.
Und am nächsten Morgen? Dein Auge als Knotenpunkt
Dein Auge ist nicht nur nachts eng mit deinem ganzen Körper verbunden. Auch tagsüber zeigt sich das, und zwar auf eine Weise, die mich immer wieder fasziniert: Rund ein Drittel aller Akupunkturmeridiane beginnt oder endet am Auge. Das wissen selbst viele nicht, die mit Akupunktur arbeiten. Mich begeistert das, seit ich mich selbst in Akupunktur habe ausbilden lassen.
In der Akupunktur beschreiben Meridiane Leitbahnen, über die unsere Lebensenergie, das Qi, durch den Körper fließt. Laufen so viele davon am Auge zusammen, ist das Auge ein echter Knotenpunkt. Deshalb reicht es bei chronischen Augenbeschwerden oft nicht, nur am Auge selbst anzusetzen. Für mich gehört immer der ganze Mensch dazu.
Und genau diesen Knotenpunkt kannst du dir tagsüber zunutze machen, zum Beispiel in deiner nächsten Bildschirmpause.
3 Akupressurpunkte für deine Bildschirmpause
Schließ die Augen, atme ruhig und massiere jeden Punkt mit den Fingerkuppen sanft kreisend für etwa 30 Sekunden.
Punkt 1: Innerer Anfang der Augenbraue
In der kleinen Kuhle über dem inneren Augenwinkel.

Punkt 2: Äußeres Ende der Augenbraue
Dort, wo die Augenbraue seitlich ausläuft.

Punkt 3: Die Schläfe
In der weichen Mulde an der Schläfe, etwa eine Daumenbreite hinter dem äußeren Augenwinkel.

Ganz sanft, und bitte nie auf den Augapfel selbst drücken. Viele merken schon nach einer Runde, wie der Blick weicher wird und die Stirn sich entspannt.
Akupunktur lässt sich übrigens auch mit Licht umsetzen. Ich nutze dafür die Chroma Watch von NeoWake, ein kleines Lichtgerät fürs Handgelenk, mit dem unter anderem Lichtakupunktur möglich ist. Über diesen Link bekommst du einen Rabatt:
Mein Video dazu
In meinem neuen Video auf YouTube gehe ich noch tiefer in diese Zusammenhänge ein.
Fang mit einem Punkt an
Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Such dir heute Abend einen Punkt aus dem Schlafzimmer-Check aus und gönn dir morgen eine Bildschirmpause mit den drei Punkten.
Und jetzt verrat mir: Wo liegt dein Handy nachts? Schreib mir gern ganz ehrlich über das Kontaktformular, ich bin gespannt.
Herzlich,
Deine Dr. med. Maria Iliadou
* Mit Sternchen gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber bestellst, erhalte ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Dieser Beitrag versteht sich als Anregung und ergänzt, ersetzt aber nicht die schulmedizinische Betreuung.
Quellen
- Xie L et al. (2013). Sleep drives metabolite clearance from the adult brain. Science 342(6156):373–377. doi.org/10.1126/science.1241224
- London A, Benhar I, Schwartz M (2013). The retina as a window to the brain – from eye research to CNS disorders. Nat Rev Neurol 9(1):44–53. doi.org/10.1038/nrneurol.2012.227
- Delle C, Wang X, Nedergaard M (2024). The Ocular Glymphatic System – Current Understanding and Future Perspectives. Int J Mol Sci 25(11):5734. doi.org/10.3390/ijms25115734
- Baan R et al. (2011). Carcinogenicity of radiofrequency electromagnetic fields. Lancet Oncol 12(7):624–626. doi.org/10.1016/S1470-2045(11)70147-4
- Lowden A et al. (2019). Effects of evening exposure to electromagnetic fields emitted by 3G mobile phones on health and night sleep EEG architecture. J Sleep Res 28(4):e12813. doi.org/10.1111/jsr.12813
- Exelmans L, Van den Bulck J (2016). Bedtime mobile phone use and sleep in adults. Soc Sci Med 148:93–101. doi.org/10.1016/j.socscimed.2015.11.037
- Gooley JJ et al. (2011). Exposure to room light before bedtime suppresses melatonin onset and shortens melatonin duration in humans. J Clin Endocrinol Metab 96(3):E463–E472. doi.org/10.1210/jc.2010-2098
- Chang AM et al. (2015). Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness. PNAS 112(4):1232–1237. doi.org/10.1073/pnas.1418490112
- Bundesamt für Strahlenschutz: Möglichkeiten zur Expositionsverringerung bei der Nutzung von Smartphones und Tablets. www.bfs.de/DE/themen/emf/mobilfunk/vorsorge/smartphone-tablet/smartphone-tablet_node.html
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